Ja, der Klausur-Con hat wirklich Spaß gemacht.
Was die Würfel betrifft: ich habe genau einmal (!) gewürfelt - ziemlich am Anfang vom "ICARUS-Projekt". Man kann das Würfeln bei sehr erzählerisch orientierten Spielen wirklich verlernen. ("So, ich ziehe mal einen Würfel. Oh, ein gelber Zehnseiter mit schwarzer Beschriftung. Hmm. Der Zehnseiter steht für die Zehn Gebote, Gelb ist die Farbe Michaels und die schwarze Beschriftung steht für den dunkelen Zorn Michaels - also: Der Ketzer hat gegen die Zehn Gebote verstoßen und sich dabei derart in Gottes wohlwollend verzeihenden Augen versündigt, daß der Herr mir durch eine leichte Berührung Michaels dessen düsteren Heiligen Zorn schickt, der mich beflügelt den üblen Ketzer mit einem von Wahrhaftigkeit beseelten Hieb meines Rottschwerts von der Schulter bis zur Hüfte zu zerteilen, so wie der Herr, wenn er dereinst die Ernte unter den Seelen der Menschen einfahren wird. - Ich schätze, ich habe getroffen, oder?")
Toll fand ich im Gespräch mit vielen Leuten die unterschiedlichen Erfahrungsberichte zu einer ganzen Reihe bekannter und unbekannter Spiele zu hören. (Besonders skurril fand ich die Berichte von den Vampire-Powergamern - tja, auch in Erzählspielen ist man vor Cäsaren-Wahn nicht sicher; wie gut, daß die Engelein gleich so richtig mächtig anfangen, so daß es in dieser Hinsicht niemals offene Wünsche geben kann - das würde die Kirche ja auch garnicht zulassen, nicht wahr? Aber auch die Berichterstattung von der Midgard-Würfelmeisterschaft war interessant - traurig, aber dennoch interessant. Man sollte sich manche Szenen noch einmal als Zeitlupenaufnahme anschauen können, um die Fingerfertigkeit mancher Spieler, sowie deren schnelle Auffassungsgabe, was Würfelergebnisse anbetrifft, so richtig würdigen zu können.)
Beim Essen ist mir die grüne, zähflüssig-breiige Masse in guter Erinnerung geblieben, die all ihre geistverwirrenden Mächte aufgebracht hatte, um Ihre wahre Natur eines amorphen Chaosgezüchts aus verbotenen und falschen Dimensionen zu verbergen und hier als Erbsen(-Püree?/-Gemüse?/-Fhtagn?) durchzugehen. Sorry, aber es hat nicht geklappt. Du wurdest enttarnt und in den einzigen Ort des Universums verbannt, an dem Du niemals mehr Schaden anrichten kannst (historische Quellen nennen diesen Ort "Der Magen von Njoltis" - die Wissenschaftler streiten sich aber zur Zeit immer noch darum, ob dies ein Sternbild oberhalb des Orions ist, oder ein Landstrich im südlichen Jemen). Allein beim Zusehen der Vernichtung der grünen wabernden Masse ging meine geistige Gesundheit schwer in die Knie; bloß gut, daß ich mich davon beim Cthulhu-Spielen wieder erholen konnte.
Schade, daß die segensbringende Mission der Engel zeitlich so sehr zerrissen war. Wenn die Postulanten bereits am späten Nachmittag - wie ich ernstlich hoffte - bereit gewesen wären, ihre ersten Schritte in der Welt der Menschen zu tun, so wären wir sicherlich bis Sonntag mittag mit der Mission durchgekommen. (Der Urielit war - natürlich - der Schnellste! Und der Michaelit kam - ganz wie auf den echten Missionen - zuletzt dran.) Die Weihe erst nach Mitternacht am Freitag beginnen zu können, war schon reichlich spät - ich hätte den Part, den wir am Samstag-Nachmittag gespielt haben, gerne schon am Freitag durchgezogen gehabt (von Nürnberg bis ans Wettermeer). So konnten manche Engelein ihre schönen Mächte garnicht so segensreich zum Einsatz bringen, wie es gegen Ende der Mission gedacht war (so mit Welle über Welle an heranbrandenden Traumsaatkreaturen, deren einziges Ziel die völlige Vernichtung des Bollwerks der Angelitischen Kirche ist - nur von einer tapferen Schar himmlischer Streiter des Herrn daran gehindert ein Blutbad unter den Unschuldigen und Rechtgläubigen anzurichten, oder so ähnlich).
Das ICARUS-Projekt war wirklich toll! Stimmungsvoll und mit einer dichten Atmosphäre inszeniert, daß man bisweilen wirklich "dabei" war. Meinen Respekt!
Alles in allem ein paar (angenehm) schlaflose Tage.
